»Der Garten umschloss sie immer fester, zeigte ihr Dinge, gab flüsternd seine Geheimnisse preis.«

Neuentdeckung eines vergessenen Bestsellers und einer großen Autorin

Leben und Werk

Frederik, Helene, und Maria Ingerman (1900)
Frederik, Helene, und Maria Ingerman (1900)

15.6.1888
Helena Anthonia Maria Elisabeth Ingerman kommt auf einer Zuckerplantage auf Java im damaligen Niederländisch- Indien zur Welt. Sie ist das einzige Kind des Verwalters Frederik Ingerman und seiner Frau Anna Sophie Halverhout. Die Mutter stirbt ein halbes Jahr nach der Geburt.

1894-1900
1894 heiratet Frederik Ingerman die deutsche Gouvernante Helene Lohman, die Maria zu Hause unterrichtet. 1896 übersiedelt die Familie auf eine Plantage im Inneren der Insel. 1900 wird Maria für wenige Monate auf eine Kostschule nach Surabaya geschickt.

1900-1905
Maria reist in die Niederlande, um dort die Schule zu besuchen. Sie wohnt bei einer Pfarrersfamilie in Haarlem. In jenen Jahren schließt sie mit dem Nachbarsjungen Aldert Brouwer eine Freundschaft, die ihr Leben prägen wird.

1905
Maria kehrt auf Wunsch ihres Vaters nach Java zurück, ohne die Schule abgeschlossen zu haben.

1906-1908

Maria Ingerman begegnet Isaac Dermoût in dem Erholungsort Tosari im Osten Javas. Sie verloben sich noch im November desselben Jahres, am 6. Juni 1907 heiraten sie. Auf der Karte, die die Verlobung anzeigt und an die Familie in den Niederlanden geschickt wird, vermerkt der Bräutigam: »Marietje hat seelenvolle Augen und eine zarte Mädchengestalt, sie ist eigentlich viel zu gut für mich.« Am 24. August 1908 wird die Tochter Ettie geboren.

Maria und Isaac Dermoût vor ihrem Haus in Pati (1909)
Maria und Isaac Dermoût vor ihrem Haus in Pati (1909)

1907-1910
Isaac Dermoût hat Erfolg in seinem Beruf als Jurist; sein stetiger Aufstieg führt ihn und seine Familie 1910 auf die Molukken, wo er als Vorsitzender Richter tätig sein wird. Am 26. März des Jahres übersiedelt die Familie auf die Insel Ambon; dort kommt am 14. September der Sohn Hans zur Welt.

13.12.1908
Maria Dermoût veröffentlicht im ›Weekblad voor Indië‹ die Erzählungen ›Scriboe‹ und ›De pontianak‹. Ihrem Ehemann gelten ihre ersten Werke als reine Liebhaberei.

1910-1914
Die Familie lebt auf Ambon. Während Isaac Dermoût sich häufig auf Dienstreisen befindet, schließt Maria Freundschaft mit Carolina Hendrika van Aart, die als die »Frau vom Kleinen Garten« in den Roman ›Die zehntausend Dinge‹ eingehen sollte.

1914/15
Die Familie Dermoût verbringt ein Jahr in den Niederlanden. Maria publiziert zwei kurze Texte in der Zeitung ›Het Vaderland‹.

Mit Tochter Ettie und Sohn Hans (1912)
Mit Tochter Ettie und Sohn Hans (1912)

1915-1933
Isaac Dermoûts beruflicher Aufstieg setzt sich fort, bis hin zum Präsidenten von beiden Obersten Gerichtshöfen in Batavia. Währenddessen arbeitet Maria als Bibliothekarin, befasst sich mit der indonesischen Flora, Fauna und Kultur und schreibt für die Schublade.

1933
Isaac Dermoût wird aus gesundheitlichen Gründen aus dem Dienst entlassen; das Ehepaar übersiedelt in die Niederlande.

1933-1951
Die Dermoûts wechseln immer wieder ihren Wohnsitz, leben jedoch überwiegend in Arnheim. Am 25. April 1945 stirbt der Sohn Hans in einem japanischen Gefangenenlager auf Sumatra. Die Tochter Ettie verlässt Indonesien 1936 mit ihrer Familie und lässt sich ebenfalls in Arnheim nieder. Während der Schlacht von Arnheim werden die Dermoûts nach Schaarsbergen evakuiert.

1951
Im April des Jahres erscheint Maria Dermoûts Debütroman ›Erst gestern noch‹.

Maria Dermoût (Larry Burrows, ›Life‹, 1958)
Maria Dermoût (Larry Burrows, ›Life‹, 1958)

1952
Am 22. August 1952 stirbt Isaac Dermoût. Im Dezember erhält Maria Dermoût den Sonderpreis der Jan-Campert-Stiftung, mit dem besondere literarische Publikationen ausgezeichnet werden.

1954
Die Erzählsammlung ›Das Spiel der Tifas‹ erscheint.

1955
Der Roman ›Die zehntausend Dinge‹ erscheint.

1956
Der Erzählungsband ›Der Zierkamm mit Juwelen‹ wird veröffentlicht. Im Januar des Jahres erhält Maria Dermoût den Kulturpreis der Stadt Arnheim für ihr Gesamtwerk.

1958
Der Erzählungsband ›Der Sarg‹ erscheint. In diesem Jahr wird Maria Dermoût mit dem renommierten Tollens-Preis ausgezeichnet, der alle fünf Jahre vergeben wird und dem Werk mit der laut Jury-Meinung höchsten literarischen Qualität zugesprochen wird.

1962
Am 27. Juni stirbt Maria Dermoût in Noordwijk aan Zee, wo sie auch begraben liegt.

Zurückblättern …

SEITE 1: ›Die zehntausend Dinge‹
SEITE 2: Wer war Maria Dermoût? (Teil 1)
SEITE 3: Wer war Maria Dermoût? (Teil 2)
SEITE 4: Zeittafel zu Leben und Werk

[dtv_titelliste titel=“28091″ sortierung=“manuell“]

TEXTNACHWEISE

Kester Freriks – Auszüge aus dem Nachwort: © 1998 by Kester Freriks. Aus dem Niederländischen von Bettina Bach. In: Maria Dermoût. ›De tienduizend dingen‹. Amsterdam: Em. Querido’s Uitgeverij B.V., 1998.

Hella S. Haasse – Auszüge aus dem Nachwort: © 1991, 2008 by Hella S. Haasse. Aus dem Niederländischen von Christiane Burkhardt. In: Maria Dermoût. ›Verzameld werk‹. Met een naaword van Hella S. Haasse. 7. Auflage. Amsterdam: Em. Querido’s Uitgeverij B.V., 2008. Das Nachwort ist eine überarbeitete Fassung des Vortrags »Annie Romein-Verschoor und Maria Dermoût«, aus der Vortragsreihe »Erflaters van de twintigste eeuw« der Stichting Literaire Activiteiten Amsterdam (SLAA), Amsterdam, Querido, 1991.

Weitere Übersetzungen: »Dermoût über Dermoût« sowie das Zitat von Adriaan van Dis – aus dem Niederländischen von Bettina Bach. Zitat aus der ›New York Times‹ – aus dem Englischen von Pieke Biermann. Die übrigen Zitate sowie die Angaben zu Leben und Werk in der Übersetzung von Hella Reese. Hier nicht eigens aufgeführte Passagen sowie die biobibliografischen Angaben wurden der Website der Autorin entnommen: https://mariadermout.wordpress.com. Trotz aller Bemühungen konnten leider nicht alle Rechteinhaber ermittelt bzw. erreicht werden. Der Verlag verpflichtet sich, rechtmäßige Ansprüche jederzeit in angemessener Form abzugelten.

BILDNACHWEISE

Familienfotos Maria Dermoût: Die Fotos stammen aus Privatbesitz und wurden freundlicherweise von der Familie der Autorin zur Verfügung gestellt. © Courtesy of the family. Karte: © dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 2016.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.