Zu Besuch bei … Sergio Dudli

Wie er zum Schreiben gekommen ist, warum Spazierengehen zu seiner festen Tagesroutine gehört und welchen ungesunden Kaffeeersatz er benötigt, verrät uns der Autor von ›Creepy Chronicles 1 – Bloß nicht den Kopf verlieren!‹. Willkommen in der Schreibwerkstatt von Sergio Dudli!

 

  1. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
    Als Meister der Prokrastination brauche ich gewisse Strukturen und Routinen in meinem Alltag. Sonst verschwende ich zu viel Zeit mit der Erweiterung meines unnützen Wissens oder mit den Gitarren, die ebenfalls in meinem Büro stehen und mich telepathisch dazu auffordern, sie in die Hand zu nehmen. Grundsätzlich versuche ich, an sechs Tagen pro Woche mindestens 1500 Wörter zu schreiben. Um spätestens 8.15 Uhr setze ich mich zu Hause an den Schreibtisch zuhause und lege los. Mein Alltag lässt sich in folgende Blöcke unterteilen:

    90min Überarbeitung Vortag

    30min Spaziergang

    90min Schreiben

    MITTAGESSEN

    90min Schreiben

    30min Spaziergang

    90min Schreiben

    Die Pausen zwischen den Schreibblöcken sind wichtig, weil meine Konzentration nach spätestens zwei Stunden am Stück nachlässt. Die Spaziergänge sind mein Ausgleich zu der kopflastigen Schreibarbeit (und stillen meine dezente Schrittzählersucht … aber psssst!). Während des Spazierens höre ich Musik oder Podcasts, um nicht an mein aktuelles Projekt zu denken.

  2. Haben Sie dabei feste Rituale?
    Neben den Spaziergängen gibt es ein paar Dinge, die sich eingebürgert haben. Erstens: Nach dem Aufstehen esse ich Kinderschokolade. Ich weiß, sehr ungesund! Aber da ich keinen Kaffee mag, muss ich mir die Energie irgendwie anders holen – und was eignet sich da besser als Schokolade? Und wenn ihr glaubt, das wäre genug Ungesundes … Just wait for it: Denn kein Nachmittag ohne eine Cola-Dose! Auch hier rede ich mir ein, einen Ersatz für Kaffee zu benötigen. Zu meiner Ehrenrettung: Zum Cola esse ich einen Apfel und den Rest des Tages trinke ich Mineralwasser. Zum Schreiben selbst brauche ich absolute Ruhe. Musik oder sonst was würde mich nur ablenken.

  3.  Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand oder Ähnlichem?
    Ich bin ein Liebhaber von Notizheft, Handschrift und Tinte. Wenn ich eine Idee ausarbeite, schreibe ich alles mit Füller in ein Notizheft. Irgendwie mag ich dieses Flair, das Papier und Tinte verströmen – zudem wirken solche Notizen äußert professionell, womit sich hervorragend angeben lässt! In letzter Zeit spiele ich übrigens mit dem Gedanken, mir eine Kreidetafel zuzulegen, um wichtiges Autorenzeugs draufzuschreiben. Neben meinem Notizbuch nutze ich auch mein Handy, um Einfälle, Ideen oder Gedanken unterwegs zu notieren.

  4.  Was wollten Sie als Kind werden?
    Nach einer Nachfrage bei meiner Mutter: Dirigent. Offenbar habe ich als Kind fleißig vor Radio und Fernseher dirigiert, wenn Musik lief. Diesen Berufswunsch habe ich später aus den Augen verloren. Wahrscheinlich wäre er finanziell erstrebenswerter gewesen. Aber dann hätte ich auch gleich Fußballprofi werden können, wovon ich später geträumt habe.

  5.  Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
    Ich glaube, mein Weg ist untypisch für einen Autor. Im Gegensatz zu anderen Autor:innen habe ich nie sonderlich gerne gelesen oder selber Geschichten geschrieben. Das Schreiben fiel mir zwar immer leicht, aber ich dachte, das sei wie Rechnen bis 100 – das beherrscht man einfach. Erst mit ungefähr 20 Jahren ich bemerkt, dass ich ein gutes Gespür für Wörter habe. Ziemlich kurzfristig habe ich mich dann entschieden, Journalismus und Kommunikation zu studieren. Diese Zeit war die bisher beste in meinem Leben! Ich habe jede Sekunde davon genossen, weil meine Mitstudent:innen toll waren und ich gespürt habe, dass ich hier richtig bin. (Anm. Sergio: Das Irish Pub um die Ecke spielt bei dieser Beurteilung keine Rolle.)

    Zum Schreiben eines Buches bin ich durch den überraschenden Tod meines Vaters im Frühjahr 2019 gekommen. Ich war in dieser Phase auf etwas angewiesen, das mir Halt gab – und den habe ich im Schreiben gefunden. Es tat mir gut, in eine andere Welt abzutauchen und eine Aufgabe zu haben. Ich habe zu keiner Sekunde mit der Absicht geschrieben, ein Buch zu veröffentlichen. Das kam erst, als dieser Prozess für mich abgeschlossen war.

  6. Welche*r Autor*in/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?
    Da Harry Potter wohl die langweiligste Antwort aller Zeiten ist, entscheide ich mich für zwei andere Autoren: Jonathan Stroud und Derek Landy. Wie schon erwähnt, war ich nie ein großer Leser. Als mir meine Agentin angeraten hat, doch das eine oder andere Jugendbuch zu lesen, hat sich mir eine völlig neue Welt eröffnet. Der Türöffner war zweifelsfrei die Serie ›Lockwood und Co‹. von Jonathan Stroud. Ich habe bis heute nichts gelesen, das mich so gepackt hat. Das war genau mein Ding: Geister, Grusel, schön beschriebene Schauplätze und liebenswerte Figuren. Bei ›Skulduggery Pleasant‹ von Derek Landy lache ich auf jeder Seite mindestens drei Mal. Das ist genau meine Art von Humor. Ich meine, jetzt mal im Ernst: Wie wunderbar ist die Idee eines Skelettdetektivs?!

  7. Welche*r Autor*innen sollte/n unbedingt noch entdeckt werden?
    Sergio Dudli. Was für eine coole Socke!…Nein, Spaß beiseite. Diese Frage würde ich lieber an euch da draußen stellen: Welche/r Autor:in würdet ihr mir empfehlen? Ich kratze erst an der Oberfläche der Literaturwelt und freue mich darauf, noch so viele Geschichten zu entdecken! Also immer her mit euren Tipps!

  8. Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?
    In den letzten Wochen habe ich die Serie ›Wells und Wong‹ von Robin Stevens verschlungen! Es sind tolle Murder Mysteries um zwei Mädchen auf einem Internat in den 30er-Jahren in England. Robin Stevens hat mir den Hauptfiguren Daisy Wells und Hazel Wong zwei starke weibliche Figuren erschaffen, die sich wunderbar ergänzen und entwickeln. Als alter ›Die drei ???‹-Fan habe ich ein Faible für Detektivgeschichten. Da ich keine Krimis oder Thriller für Erwachsene lese (die sind mir zu brutal), sind die Fälle von ›Wells und Wong‹ genau meine Kragenweite! Da bekomme ich glatt Lust, auch ein Murder Mystery zu schreiben.

  9.  Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?
    Mir werden immer wieder Bücher von Freunden und Bekannten empfohlen. Da ich aber in meinen Lesegewohnheiten ziemlich eigen bin, lese ich meistens nicht sonderlich viel davon. Auf der Liste stehen Werke wie ›Elf Minuten‹ von Paulo Coehlo, ›Die Zwerge‹ von Markus Heitz oder ›Hard Land‹ von Benedict Wells. Ich persönlich freue mich derzeit wie ein kleines Kind auf drei Werke, die für 2021 angekündigt sind: den letzten Band von ›Skulduggery Pleasant‹ von Derek Landy, den neunten Teil von ›Die Flüsse von London‹ von Ben Aaronovitch und die Fortsetzung von ›Scarlett & Browne‹ von Jonathan Stroud.

  10.  Was lesen Sie zurzeit?
    Derzeit lese ich ›Das Rätsel um Schloss Eichhorn‹, den dritten Band rund um den schüchternen Detektiv Rory Shy. In dieser Serie aus der Feder von Oliver Schlick löst die 12-jährige und sehr gesprächige Matilda knifflige Fälle mit einem Detektiv, der so schüchtern ist, dass er sich nicht einmal getraut, Zeugen zu befragen. Die Geschichten rund um Rory Shy zeigen wunderbar auf, wie sich eine vermeintliche Schwäche als Stärke herausstellen kann. Zudem sind sie voller herrlich schrulliger Figuren – und ein schusseliger Hund als Sidekick hat noch kein Buch schlechter gemacht, nicht wahr?

  11.  Wo lesen Sie am liebsten?
    Auf dem Sofa oder in meinem bequemen Ohrensessel. Aber weil mich diese Antwort selbst ein wenig langweilt, hänge ich noch einen Ort an: Am liebsten lese ich auf Sardinien. Diese Insel ist die Heimat meines Großvaters, der seit vielen Jahren wieder dort lebt. Was gibt es Besseres, als mit einem Buch in der einen und einem Brötchen vollgestopft mit Prosciutto in der anderen Hand an einem weißen Sandstrand zu liegen? (die obligate Cola-Dose von Frage 2 steckt in der Kühltasche).

  12.  Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?
    Die einfachste Frage zum Schluss: Wenn mein Lieblingsverein Fulham FC spielt! Seit einigen Jahren pendelt mein Club zwischen der höchsten und zweithöchsten englischen Liga. Derzeit sind sie in der zweithöchsten, die Zeichen stehen aber hervorragend, dass ich kommende Saison keine Spiele mehr gegen Luton, Peterborough oder Barnsley schauen muss, sondern wieder in den Genuss von Liverpool, Chelsea und Manchester United komme!


Mehr zu Sergio Dudli und seinem Buch ›Creepy Chronicles 1 – Bloß nicht den Kopf verlieren!‹.

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